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Fortsetzung: Vorsätze brechen ist nicht schwer, sie zu halten...

2014

"Er klopfte nur an die Tür, und kaum hatte ich geöffnet, stürmte er rein, in Wohnzimmer.", berichtete Sophia mechanisch weiter.
"Er streifte hin und her und wieder zurück, lief Furchen in den Boden. Ich stand im Türrahmen. Da blieb er plötzlich stehen und sagte mit klarer Stimme: ' Sophia, ich gehe für unbestimmte Zeit weg von hier. Jamie und ich ziehen nach Amerika.'", sie schüttelte ungläubig den Kopf. "Das was er tat, passte nie zu dem, was er sagte. Meine Knie gaben kurz nach und ich verlor ein wenig das Gleichgewicht, aber ich konnte mich halten.

Er kam mit großen Schritten auf mich zu und hielt mich bei den Schultern. So fest, dass es beinahe wehtat. Ich wusste nicht, was er in meinem Gesicht zu suchen begann, oder ob er es fand, aber dann...", beschämt sah sie zu Boden und biss sich reuevoll auf die Unterlippe. "Es tut mir so leid, Jamie."

Es gab keinen Moment, in dem Jamie darüber nachdachte, was sie tat. Jamie strich über Sophias Hand und milde sagte sie: " Sophia, ich habe dir niemals die Schuld daran gegeben.". Das Ticken der Küchenuhr schien irgendwie lauter zu werden, als Sophia verständnislos zu ihr hochsah. Tapfer versuchte Jamie sich an einem Lächeln. Sie war sich nicht sicher, ob sie diese Wahrheit erst jetzt verstanden hatte oder auch damals, als sie aus Amerika zurückgekommen war.

"Sophia, du hast ihn ganz offensichtlich ja geliebt.", stellte sie nur fest.

"Was kannst du dann dafür? Er wusste es allerdings, er wusste in welcher Situation er war. Er wusste, wie sehr er dir weh tat."

Nein, wenn Sophia auf sie direkt nach ihrer Rückkehr zugekommen wäre, Jamie hätte es als puren Spott empfunden. Mit der Distanz konnte sie es aber endlich einsehen.

Endlich sah Sophia hoch und nickte träge. "Danke!", schluchzte sie gequält. Hätte diese Aussprache früher stattfinden sollen? Zumindest hatte Jamie nun einfach mehr Verständnis für das Geschehene. Hatte sie Sophia zu ihrer Absolution verholfen? Selbst das war egal, denn Sophia hatte diese Aussprache wohl genauso gefürchtet wie Jamie. Sie griff verschämt nach den Küchentüchern und tupfte sich das Gesicht ab. Auch wenn nun die Schminke unter ihren Augen schwarz verlaufen war, Sophia wirkte um Jahre jünger.

"Ich hätte dich wohl direkt nach deiner Rückkehr aufsuchen sollen, was?", witzelte sie, als hätte sie Jamies Gedanken gelesen.

"Ja....", log Jamie, "Aber dafür ist es nun auch zu spät. Nach fast einem Jahr können wir uns zumindest darauf einigen, dass Daniel dran schuld war."

Mit Tränen in den Augen fragte Sophia aber unerwartet: "Und was ist mit dir?"

"Wie meinst du das?", verwirrt taumelte Jamie ein wenig zurück.

"Danny meinte immer, du seist zu wenig eifersüchtig.", begann Sophia sein Sprachrohr zu werden und ihn damit noch immer verliebt zu verteidigen.

Das stimmte. Was sollte Jamie auch dagegen argumentieren. "Ja, ich habe ihm vertraut.", erklärte sie sich und hatte das ungute Gefühl, vor einem Tribunal zu reden.

"Aber auch, nachdem er dich das erste Mal betrogen hat.", sagte Sophia spitzfindig.

"Weil für mich Vertrauen eben dazu gehört.", Jamie schürte die Augen und fühlte in sich Widerstand aufbauen. Plötzlich war der Spieß umgedreht.

"Danny meinte, du hättest ihn förmlich in meine Arme getrieben.", jagte sie immer weiter voran, Kampfgeist sprühte aus ihren Augen.

"Ich...ähmm...", stammelte Jamie als Antwort, unsicher, wie das Gespräch diese Wendung hatte einschlagen können. Einen Moment zuvor fühlte es sich so an, als würde alles an dem dafür vorgesehenen Platz stehen. Einen Moment hatte Atlas die Weltkugel im festen Griff und im nächsten Moment schwang Atlas die Erde in überschwänglichen Leichtsinn auf seinen Zeigefinger, wie einen überdimensionalen Basketball und Jamie verlor nur umso stärker den Halt.

"Ja, eben.", sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und funkelte sie wütend an, "Jamie, sicherlich trag ich eine Mitschuld, aber Danny allein ist nicht schuld. War es auch nie. Wieso hast du zugelassen, dass er mich weiterhin trifft? Wieso hast du ihm so abgrundtief vertraut?"


2013

Draußen setzte gerade die Dämmerung ein. Der Sand wirbelte ein wenig auf und vernebelte den Blick auf den Horizont. Nachdem Jamie den Brief gefunden hatte, ihn immer wieder durchgelesen hatte, hörte sie ein brodelndes Geräusch in der Küche. Sie ließ den Bogen Papier einfach auf dem Boden liegen und kümmerte sich erst automatisch um die Nudeln, die nun Salzwasser über die gesamte Ceranherdplatte verteilten.

Das Radio in der Küche lief fröhlich weiter und zumindest in diesem Moment in der Küche war sie abgelenkt. Aber der Bogen würde ja weiterhin im Schlafzimmer liegen. Nachdem Jamie alles zubereitet und in den Ofen bugsiert hatte, in dem man es bequem wieder aufwärmen konnte, tappte sie vorsichtig zurück ins Schlafzimmer. Ein kleiner Teil in ihr hoffte, dass das Blatt sich in Luft aufgelöst hätte, nur ein böser Traum. Friedlich , als hätte der Brief niemanden etwas getan, lag er aber noch auf den Dielen, so wie Jamie ihn hinterlassen hatte. Schwer hob sie ihn auf und begann schließlich zu packen. Sie gehörte hier nicht her. Wahllos schmiss sie einfach alle möglichen Sachen in den Koffer, knüllte sie einfach irgendwie zusammen.

Irgendwie verflogen die Stunden in seichter Trägheit. Phasen des Fluchtinstinkts wechselten sich immer wieder damit ab, Daniel doch noch eine Chance einräumen zu wollen, wandelten sich wieder in schiere Wut und die Sicherheit gleich das Haus verlassen zu wollen. Sie wägte ihre Alternativen solange ab, bis sie das Knirschen der Reifen in der Auffahrt hörte und Daniel sich fröhlich von Mick verabschiedete. Fröhlich stieß er die Tür auf und legte seine staubige Tasche im Flur ab, den Jamie so liebevoll hergerichtet hatte. Seine Lieblingsfotos waren in Antikrahmen wie eine Galerie über den Wänden verteilt. Eine schwere Massivholzkommode bewahrte all die Schuhe auf, die die beiden in der nächsten Zeit anziehen würden. Ein Topf mit sonnenblumengelber Farbe wartete noch darauf angebrochen und verstrichen zu werden, weil Jamie eine Bordüre für den Flur vorgesehen hatte.

"Schahatz, ich bin zuhause.", rief Daniel aus dem Flur. Jamie blieb stocksteif in der Küche sitzen. Als er sie sah, wusste er, dass etwas nicht stimmte. "Was ist los?", erkundigte er sich besorgt und machte Anstalten, sie in den Arm zu nehmen, aber überfordert stieß sie ihn weg.

"Jamie?", er beugte sich zu ihr hinunter, aber sie wollte ihm nicht in die Augen sehen und drehte ihren Kopf weg. Statt etwas zu sagen, entfaltete sie das Rechteck beschriebenen Bogens und legte es auf den Tisch. Ohne hinzusehen wusste Daniel, was sie da gefunden hatte.

"Du schnüffelst in meinen Sachen?", schnaubte er wütend, statt auf den Fund einzugehen.

Jamie wusste, dass er einfach nur selber keine Ahnung hatte, wie er damit umgehen könnte. Und würde sie darauf eingehen, sich zu verteidigen anfangen, dann würden sie nicht an das eigentliche Thema kommen. Dann würde es um ein plötzlich kontrollierendes Verhalten gehen und es wäre in Jamies Obliegenheit aufzuklären, dass sie tatsächlich nur hatte aufräumen wollen. Darum wollte es aber nicht gehen, nicht jetzt, wenn im Schlafzimmer der gepackte Koffer auf ihre Abreise wartete.

"Daniel, ich bitte dich gerade um eines.", Jamie ließ die Anschuldigung links liegen und scheute sich nicht, ihn direkt anzusehen, "Wieso wolltest du hierher? Wieso wolltest du wegziehen?"

"Wegen des Jobangebots.", antwortete er verdattert.

"Bitte, Daniel, sei endlich ehrlich!", erbat Jamie sich.

"Lass es mich erklären....", er ignorierte ihre Bitte, umschloss ihr Gesicht mit seinen Händen und wollte sie an sich ziehen, aber Jamie setzte sich zur Wehr, stieß ihn von sich. Er ging hinter sie zur Spüle und schenkte sich ein Glas Wasser ein. Dabei stieß er ein Glas um, das schallend zu Boden krachte und zerbrach. Jamie schloss die Augen. Müdigkeit. Alles, was er sagen würde, würde nun ohnehin durch einen milchig trüben Schleier zu ihr gelangen.

Sie hörte, wie er fluchend die Scherben hinter ihr zusammenkehrte, aber Jamies Ungeduld steigerte sich nun ins Unermessliche. "Setz dich endlich hin!", zischte sie angespannt und das Zittern in ihrer Stimme ließ ihn gehorchen.

"Du hast fünf Minuten!", kühl blickte sie auf die Uhr. Manchmal waren fünf Minuten wie verflogen. Als sie frisch verliebt waren, sich aneinander nicht haben satt sehen können, waren fünf Minuten mit einem Augenschlag dahin, aber jetzt, als Jamie ihm diese Maßregelung gab, ahnte sie, dass sich diese fünf Minuten wie eine Ewigkeit anfühlen würden, dass diese fünf Minuten für sie zu viel waren.

Minute 1:

Daniel setzte sich ihr nun gegenüber hin und schien sich zu sammeln. Als würde er sich Sätze zurechtlegen, die die Umstände abmildern würden.

"Ja, ich habe dich betrogen.", er hatte sich also offenbar dafür entschieden, dass welche Wortwahl er auch treffen würde, keine Jamie dazu veranlassen könnte, es ihm dieses Mal durchgehen zu lassen. Nur Ehrlichkeit könnte ihn vielleicht noch retten. "Wieder betrogen, wieder mit Sophia.", fasste er kurz zusammen.

"Wann?", fragte Jamie und wusste, dass ihr Hals unter dem Halstuch unter der schwelenden Hitze in ihrem Körper rote Punkte bekam.

"Nachdem du es mir mitgeteilt hattest- etwa eine Woche danach.", erklärte er ruhig. Jamie nickte langsam. Der Sekundenzeiger sprang auf den nächsten Strich auf der Uhr, quälend langsam.

"Mhmm...", Jamie hielt seinem Blick stand und Daniel merkte, dass die Frau, die ihm gegenübersaß, sich innerhalb eines Tages, innerhalb den Stunden Abwesenheit, sich zu einer völlig anderen gewandelt hatte. Unwiderruflich.

Minute 2:

"Jamie, bitte!", flehte er und hoffte, dass seine Worte seine Jamie irgendwie aus den Augen dieser Fremden erwecken konnten.

"Du hast noch vier Minuten.", stellte Jamie fest. "Also los, erklär es mir."

"Erinnerst du dich an die Abschiedsparty bei uns?", fragte er behutsam. Nach ihrem Nicken fuhr er fort. "Als alle unsere Freunde da waren, um uns alles Glück zu wünschen. Als wir als Paar gefeiert wurden.", Jamie erinnerte sich noch sehr klar an diesen Abend. Da hatten sie sich selbst als Paar gefeiert, standen den Abend nahezu pausenlos beieinander, hielten verliebt Hände oder tauschten Blicke. Als sie ihre gemeinsame Zukunft gefeiert hatten.

"Da habe ich gemerkt, weshalb ich tatsächlich weg wollte.", kündete er geheimnisvoll an und ein Trommelwirbel lag förmlich in der Luft. "Jamie, ich habe gemerkt, wie sehr es dich traf, dass er nicht da war.", angewidert zog sich ein Mundwinkel nach oben. "Alle waren da, fragten uns aus nach dem Haus, der Umgebung, nach dem, was wir hier planen, aber dein Blick Jamie, dein Blick wanderte den ganzen Abend über immer wieder hoffnungsvoll zur Tür. Du hast erwartet, dass Adam irgendwann am Abend endlich kommen würde und dir auch seinen Segen aussprechen würde.". Verletzt sah er zu Boden.

Jamie erinnerte sich noch, wie Daniel seinen Arm um sie geschlungen mit Jasmine und Paul Aberdeen zusammen über die Schönheit der Wüste schwärmte und Jasmine damit in tiefe Träumereien versetzte. Jamie hatte tatsächlich an jenem Abend die Hoffnung gehabt, dass Adam endlich reinkommen würde, Daniel gönnerhaft zum Abschied die Hand geben würde und Jamie zumindest ein "Goodbye" bei einer Umarmung zuflüstern würde. Den ganzen Abend lang hatte sie diese Hoffnung, aber nichts dergleichen geschah. Kochende Wut machte sich nun in ihr breit. "Ja, ich wollte mich von einem Freund verabschieden, Daniel. Aber hier geht es nicht darum. Wie erdreistet du dich, dich JETZT vor mir als Opfer darzustellen?! Wie kannst du es wagen?", spie sie aus.

Bitter lachte er auf. "Weil dieser Abend für mich die Bestätigung war, dass wir als WIR nur eine Chance haben werden, wenn du von Adam wegkommst.", erläuterte er scheinlogisch. "Adam hier, Adam da. Adam war überall, immer! Und wären wir in Heavensrain geblieben, dann hätte ich gegen deinen großen Adam doch nie eine Chance gehabt!", verteidigte er sich. Jamie fühlte das Kribbeln in ihrer Hand, sie wusste, dass es ein Leichtes sein würde, diese Hand durch die Luft schnellen zu lassen und ihn zu ohrfeigen, aber sie widerstand dem Drang.

"Oh ja, du armes Opferlamm!", Zynismus war die einzige Waffe die ihr nun blieb. "Soll ich dir einen Kakao mit Zwiebackstückchen darin machen? Dir vielleicht noch eine Wärmflasche machen? Du willst mir im Grunde also weiß machen, dass du das Opfer bist?", nun schrie sie. Sie wollte eigentlich nicht schreien, sie verabscheute es laut zu werden.

"Nein...jaa...", stammelte er.

Minute 3:

"Was ist deine Erklärung dafür?", sie schleuderte ihm den Brief entgegen.

"Du hast mir doch erlaubt, mich mit Sophia weiterzutreffen!", wandte er ein.

"Zu treffen, ja! ", erbost stierte sie ihn an. "So, wie man einen Freund trifft, der einem viel bedeutet. Aber du hast mit ihr geschlafen! Wieder.", sie würde sich nicht die Blöße geben, vor ihm zu weinen. Sich auf die Wut konzentrieren war die einzige Möglichkeit. "Du kannst mir unmöglich erklären, dass es ohne Bedeutung war, wenn es wieder die gleiche Frau ist."

"Das...", setzte er an, ließ aber mutlos die Worte fallen. "Du willst, dass ich mit dir ehrlich bin?"

"Ich bitte darum!"

"Ich habe dich betrogen, weil du mich unsere gesamte Beziehung über betrogen hast.", verzweifelt kamen nun ihm Zornestränen und Jamies Körper spannte sich vor Wut an, sie würde ihm sicherlich kein Mitleid entgegen bringen, diesem demonstrativen kleinen Wurm! "Ich habe dich geliebt, Jamie! Sophia ist und war stets eine gute Freundin, nie mehr als das, das schwöre ich dir! Aber Adam!", seine Hand knallte auf den Tisch und Jamie fuhr kurz zusammen. "Adam war für dich immer mehr als ein Freund."

"Das ist nicht wahr.", flüsterte Jamie aufrichtig.

"Doch Jamie, wenn ich ehrlich sein soll, verlange ich von dir das gleiche!", traurig senkte er seine Stimme.

"Nein...", Jamie ließ es sich durch den Kopf gehen. "Nein.", sagte sie dann etwas standhafter.

Minute 4:

"Lüg dir ruhig weiter in die Tasche.", nun wurde er beleidigend.

"Daniel, ich habe es satt, dir zu erklären, dass nachdem du kamst, für mich die Sache mit Adam gegessen war. Aber Fakt ist, ich habe nicht mit einem anderen geschlafen!", kurz flackerte das Bild von ihr in Adams Bett hoch. Sie würde es ihn nicht wissen lassen, er durfte nicht triumphieren."Du aber bereust es ja noch nicht einmal!", mit dem Kopf wies sie auf den Brief.
"Sie schrieb, dass du ihn verbrennen könntest. Aber stattdessen behältst du es einfach in deiner Tasche!"

"Was wühlst du auch in meiner Jacke rum?!", er wusste, dass dieses Argument in diesem Moment zu schwach war. Jamie zuckte mit den Achseln. "Ich dachte, ich mache uns im Schrank Platz und verfrachte alle unbrauchbaren zu dicken Sachen in den Keller."

"Das gibt dir nicht das Recht, in meinen Taschen rumzuwühlen!"

"Geht es gerade wirklich darum?", hakte Jamie nach und beschämt sah er zu Boden. Ein eigentümliches Gefühl beschlich sie, als hätte Daniel erwischt werden wollen. Aber Jamie schüttelte diesen rigiden Gedanken ab.

"Sag mir einfach nur, wieso?", flehte Jamie. Hätte Daniel sie in diesem Moment liebevoll in den Arm genommen, sie geküsst, sie angefleht, sie wäre geblieben. Hätte ihm verziehen. und sie hätten ein unspektakuläres Leben in einem großen Haus am Rande der Wüste gefühlt. Aber stattdessen hatte er resigniert.

"Du hast es doch nicht anders verdient.", im gleichen Moment bereute er es, das gesagt zu haben.

Minute 5:

Die müden Lebensgeister in Jamie brausten nun auf. "Was habe ich verdient? Dass du mein Vertrauen andauernd missbrauchst? Dass du mich mehr als 1000 Meilen von meinen Freunden verschleppt hast, nur damit du deine vermeintliche Konkurrenz endlich los bist? Dass ich den Brief gefunden habe? Dass mein Freund nichts von all dem bereut?"

Jamie stand plötzlich auf und holte ihren Koffer aus dem Schlafzimmer. Dabei fing er sie ab, schloss sie nun in die Arme, zwang ihren Kopf zu sich hoch und wollte sie küssen. Nun war es zu spät.

Im Türrahmen drehte sie sich um und warf ihm ihre Schlüssel vor die Füße. "Daniel, das hat niemand verdient!"

Sie sah Daniel, ein altes gelbes T-Shirt, einen Dreitagebart, fahle, matte Augen und seine zum Pferdeschwanz gebunden Haare staubverdreckt, ein gebrochener Mann. Jemand, den sie früher mal geliebt hatte. Es war das letzte Mal, dass sie ihn gesehen hatte.


2014

Schwankend stand Jamie auf, griff nach der Tasche, die sie neben sich abgelegt hatte und ging zur Tür. Als sie damals zurückgekehrt war, gab sie sich lange die Schuld am Scheitern, mit diesem Vorwurf erneut konfrontiert zu sein, schmerzte sie zutiefst. Sophia fühlte sich nun in der Lage anzugreifen. Nun, da ihr verziehen war, war sie die Erhabene. Und sie zögerte nicht, mit dem Finger auf Jamie zu zeigen. "Sicherlich, es war Daniels Verschulden, aber du hast ihn dazu getrieben!", bildete Jamie sich den hasserfüllten Ton nur ein?

"Sophia? Weißt du, wie ich davon erfahren habe?", Jamie warf sich ihre Tasche über die Schulter und antwortete ihr, ohne auf die Reaktion zu warten. Schweigend standen die Frauen voreinander. Daniel hatte mit ihr also keinen Kontakt mehr, sie wusste nichts von dem höchstwahrscheinlich noch immer nicht zerstörten Brief.

Damit ging sie nun nach Hause. Aber letztlich- war sie nun selbst daran schuld? War sie die Verursacherin? Statt nach Hause zu gehen, machte sie auf halbem Weg kehrt und ging in Richtung von Lukes Labor. Bei jedem Schritt tat sich vor ihr der immer gleiche Abgrund auf- hatte sie den Grundstein zum Betrug gelegt?
29.4.17 12:37
 
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