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   28.08.17 12:12
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Was ist denn schon so schlimm daran?

Kaum schlug die Milchglastür hinter ihr zu, waren die Sorgen allesamt mit einer Wucht wieder da. Sollte alles, diese gesamte Geschichte mit Adam umsonst gewesen sein oder könnte zumindest jemand anderes davon profitieren. Sollte sie sich bei Sophia melden, ihr sagen, dass der Brief, den er damals hätte ganz leicht verschwinden lassen können, noch in seiner Jackentasche darauf wartete gefunden zu werden? Nein das würde ihre Hoffnung noch nähren. Sollte sie vielleicht mit Daniel reden? Sie hatte seine Stimme seit mehr als einem Jahr nicht mehr gehört. Hatte es tunlichst vermieden, mit ihm auch nur ein Wort zu viel zu wechseln. Und jedes Wort wäre eines zu viel gewesen.

Im Aufzug wollte sie gerade Marley schreiben, mit einem Blick auf ihr Handy war ihr aber klar, dass dieser Plan sich leicht verändern würde. Vier Nachrichten, Zwei Anrufe in Abwesenheit. Ihre Mutter. "Meld dich, Schätzchen, es eilt!" Jamie kannte solcherart Nachrichten zu Genüge. Meist hing es damit zusammen, dass ein weiteres gesellschaftliches Ereignis mit weiteren, vielversprechenden Junggesellen anstand. Widerwillig wählte sie die Nummer und nach dem fünften Freisignal wollte sie bereits freudig auflegen, als Jasmine an das Telefon ging.

"Oh Liebling, wie schön, dass du angerufen hast.", zwitscherte sie etwas zu fröhlich.

"Hey Mom!", misstrauisch beschloss Jamie vorsichtig auf der Pirsch zu bleiben. "Wie geht's dir?"

"Gut, sehr, sehr gut!", irgendwas lag in der Luft. "Und dir?"

"Guhut?", antwortete Jamie und atmete beim Hinausgehen tief durch. Sie müsste nur ein paar Sekunden warten und ihre Mutter würde ohnehin vor schierer Vorfreude mit...womit auch immer herausplatzen, das Prozedere war ihr recht gut bekannt. Zunächst erzählte sie vom altbekannten Alltag, ihrer Freundin Cheryl, die sich einen Lhasa Apso-Welpen geholt hatte, weil es irgendeine Society-Lady von Welt in einem Hochglanzmagazin getan hatte. Chewie.

"Oh, und so nebenher....", da war es nun, Subtilität war nie die Stärke ihrer Mutter, "Ich hab die Zeitschrift offen gelassen und als dein Vater mich ausführen wollte", in ihrer Ehe hatten sie nach wie vor einen Tag in der Woche, an dem ihr Vater ihre Mutter zum Essen einlud, "und ich mich fertig gemacht habe, da saß dein Vater vor der Zeitschrift und hat sie durchgeblättert. Weißt du, was er gefunden hatte?", fragte sie aufgeregt.

"Nein?", stöhnte Jamie ahnungsvoll. Ein Konzert, eine Charity-Veranstaltung, eine Ausstellung?

"Eine Chagallausstellung!", kündete sie an und im Hintergrund stellte Jamie sich einen Trommelwirbel vor. Ihr Vater war nur erneut Vorwand, er würde niemals eines dieser Magazine in die Hand nehmen, geschweige denn fest stellen, dass eine Chagallausstellung angekündigt wird.

"Naja, und dein Vater will ja nicht mitkommen..."

"Mom!", wollte Jamie sie zurechtweisen.

"Und da habe ich mich gefragt", Jasmine ging einfach darüber hinweg.

"Mom!", dieses Mal war Jamie etwas ungehaltener.

"Willst du nicht mitkommen, Spatz?", der engelhafteste Ton klang ihr mit Harfen entgegen.

"Mom!", empört versuchte Jamie es ein drittes Mal.

"Okayyy....", Jamie sah förmlich, wie ihre Mutter sich auf die Unterlippe biss und sich die passenden Worte zurechtlegte, damit sie ihre Tochter doch noch zum Mitkommen überreden könnte.

"Henry hat sich nach dir erkundigt.", sie hatte sich also zur brutalen Ehrlichkeit entschlossen. Das brachte allerdings nicht sonderlich viel, denn Jamie konnte mit dem Namen rein gar nichts anfangen. Das längere Schweigen zeigte ihrer Mutter an, dass es einer weiteren Erklärung bedurft hätte. "Henry, Schätzchen, Henry Miller, der Sohn der Millers!"

Jamie überging die Redundanz dieser Erläuterung, vor allem, weil sie auch nichts mit den Millers anfangen konnte, stattdessen räusperte sie sich höflich, blieb leicht angespannt vor dem Schaufenster eines Antiquitätenhändlers stehen und sagte in aller Ruhe: "Entschuldige, aber mir fehlt ein Gesicht zum Namen.", ihre Reflektion im Schaufenster lächelte sie stolz an.

"Na, der liebenswerte Anwalt, ach, sobald du ihn siehst, erinnerst du dich schon!", meinte Jasmine firm. Vor schäumender Wut drückte Jamie ihre Lippen aufeinander und ließ ihren Blick durch das Schaufenster schweifen, bis sie direkt neben sich das Plakat entdeckte.

"Jamie?", unsicher horchte ihre Mutter ins Telefon rein. "Schätzchen, bist du noch da?"

Nach einem kurzen Moment von Verträumtheit, erwiderte Jamie: "Ja, ja, entschuldige Mom. Ich...", bei den wunderbaren Linien, den satten Farben, bei dem, was das Bild ihr Gegenüber ausstrahlte konnte sie nicht anders: "Wenn er nicht mein Typ ist, wirst du nicht schmollend umher laufen, okay?"

Ohne zu zögern bejahte Jasmine Aberdeen diese Voraussetzung und Jamie betrachtete sehnsüchtig Chagalls Hochzeit. Darunter war in bescheidenen Lettern, die das schlichte Imposant des Bildes unterstrich, geschrieben: "Bella und Marc".

Neben ihr stand ein weiterer Bewunderer des Bildes, der sich nicht satt sehen konnte. Es war eine dieser seltenen Augenblicke, in denen man sich verbunden fühlte ohne einander zu kennen, ohne einander überhaupt ansehen zu müssen. Jedes Wort, das ihren Mund verlassen hätte, wäre auch hier eines zu viel. Es wäre ein anderes zu viel. Bei Daniel wäre es vergeudet, hier käme es nicht annähernd an das, was ausgedrückt werden sollte.

"Es ist schön, nicht wahr?", murmelte der Fremde gefangen genommen. Seltsam. Es war nicht nur das Gefühl der Vertrautheit, Jamie war diese Stimme vertraut. Ein Zauber, der in der Luft hängt und einen umspielt, sei es auch nur für wenige kostbare Sekunden, kann allzu schnell zerstört werden durch das, was er verhüllt. Jamie wand den Kopf und blickte auch blasse Haut, die unter schwarzen Haaren umso blasser wirkte. Ein Schmunzeln war in den Schatten seiner Mundwinkel versteckt, als er gelassen: "Hey, Jamie!" sagte. Ihre Hand ballte sich zur Faust, aber nein, sie würde ihn nicht ohrfeigen, oder anspucken, obgleich er es verdient hätte. Stattdessen sah sie ihn nur unterkühlt an: "Hallo Ben!"


2007

Ihr Leben lang war Jamie immer der gute Kumpeltyp gewesen. Es war nie etwas, woran sie sich sonderlich gestört hatte. Sie mochte es, mit Kerlen über Frauen zu lästern. Die andere Seite sehen. Dann aber kam Jason. Jason, der ihr die Berechtigung gab, vor ihm zu weinen. Da war Jamie Aberdeen doch sehr eigen. Bei anderen fiel es ihr gewöhnlich nicht schwer, sie wie Schlosshunde weinen zu sehen.

Sie tröstete, strich mütterlich über den Rücken, kochte eine Tasse Tee und stellte dazu Gebäck auf und sprach in einem Ton mit der Person, bis irgendwann der Punkt erreicht war, an dem sie einen sarkastischen Witz machen konnte und trotz eines tränenbesetzten Gesichts die Person sich lachend darüber beschwerte, warum sie jetzt gerade lache. Es war dieser befreiende Moment, den Jamie sich ersehnte. Bei sich selbst ging sie aber härter ins Gericht. Weinen war nicht sonderlich damenhaft, irgendwann mit 12 vielleicht, hatte Jamie einfach beschlossen, nie mehr vor jemandem zu weinen. Sei es, weil sie sich dann hässlich fand, als ob sie da eine Ausnahme in dieser Einstellung von den anderen Weinern darstellte, sei es die Scham oder ihre Schwäche, die hervor blitzte.

Es war ein schneller Entschluss, der sogleich in die Tat umgesetzt wurde. Und ganze zehn Jahre lang hatte sie niemand mehr weinen sehen. Dann aber kam Jason in ihr Leben. Ein etwas zu gefühlsorientierter Mensch. Jason selbst weinte auch nie in der Öffentlichkeit, das Äquivalent zu Jamies "nicht damenhaft" war eben ein "nicht männlich". Aber und das konnte Jason nicht von der Hand weisen- wie es schien, war es sehr männlich, sich um eine weinende Frau zu kümmern, insbesondere, wenn es sich hierbei um die eigene Freundin handelte.

Es war Juni. Noch nicht allzu warm, aber zumindest wärmten die Sonnenstrahlen soweit, dass man die Herbstkleidung langsam ablegen konnte. Eine unbedeutende Doku lief im Fernsehen. Jason lag neben ihr, seinen rechten Arm ausgestreckt, sodass sie sich einhamstern konnte. Nach all den Jahren, in denen sie ihre Eltern dabei beobachtet hatte, wie verkuschelt die beiden waren, wünschte sie sich nichts anderes als das. Üblicherweise drehte sie sich zig mal umher. Jay hatte sie liebevoll mit einem Hund verglichen, der in seinem Bettchen auch etliche Male rotiert, ehe er die ideale Schlafposition gefunden hatte.
Ihre Vorhänge wehten in den Raum hinein, schmissen dabei eine der Amaryllis um, die mit einem deftigen Knall auf dem Teppich landete und dabei Erdklumpen verteilte. Wenn es ein Tag wie jeder andere gewesen wäre, wäre Jamie genervt aufgesprungen und fluchend die Amaryllis wieder so fest wie nur möglich eingepflanzt, ehe sie sich um die Erde kümmern würde. Heute war es irgendwie anders. Jason war so fixiert auf seine Sendung, dass er gar nicht erst bemerkte, dass heute irgendwas nicht stimmte. Das Licht war gedimmt und seine Augen fixierten die Mattscheibe bis zum Abspann, als er schließlich den Fernseher ausmachte und seinen nahezu eingeschlafenen Arm unter ihrem Kopf befreien wollte. Da sah er es. Versteinert lag sie einfach nur da, die Hand vor ihren Lippen und zitterte bitterlich. Erschrocken zog er sie an sich. Ihr Gesicht in seinem Pullover verborgen, mit dem Duft seines Aftershaves in der Nase, welches sie so liebte, begann sie schließlich unkontrolliert an zu weinen.

"Was ist denn los?", ohnmächtig hielt er sie im Arm. Jamie konnte nicht anders, als sich wegzudrehen. Sie hatte es zugelassen, nun wollte sie sich wenigstens nicht die Blöße geben und ihr Gesicht gänzlich verlieren.

"Jamie?", seine Lippen waren direkt an ihrem Ohr. "Sprich doch mit mir!", flehte er. Wimmernd drehte sie sich zurück auf ihren Rücken und wagte es endlich ihn anzusehen.

"Mein Dad hat angerufen.", wieder stieg eine Flut in ihr auf. Sie wischte die Tränen von den Wangen, kam aber nicht hinterher.

"Meine Tante... ", die Worte blieben ihr im Halse stecken. Bleiern hallte die Stimme ihres Vaters in ihrem Kopf wider. Es war ein kurzes Gespräch, das ihr Gedächtnis in Dauerschleife abspielte. Es waren drei einfache Worte, mit denen für kurze Zeit ihre Welt aus den Fugen gerissen war. Die Worte ihres Vaters, der, als er sie ausgesprochen hatte, selbst Trost gebraucht hatte.
"Sie hat ein Rezidiv.".

Sie schluckte gegen die Nachricht, gegen die Übelkeit, gegen das, was es bedeutete. Jamies Tante Carmen war die ältere Schwester ihres Vaters. Eine patente Frau, die Jamie als Kind früher häufig besucht hatte. An diesen sonnigen Sonntagen außerhalb der Stadt, als Jamie an der Holzpforte angerannt kam, kam ihr ihre Tante entgegen, in vom Garten dreckigen Sachen, einem riesigen Strohhut und einem noch größeren Lächeln in ihrem Gesicht. Vor 5 Jahren wurde ein Geschwür im Magen entlarvt als alles andere, was ein Geschwür war.
Sie wurde operiert, bestrahlt und es schien, als würde alles wieder seinen gewohnten Gang gehen. Jamie kam sie nach einer Zeit der Abstinenz, in der sie sich umso mehr in der Schule ereiferte, wieder häufiger besuchen. Und Tante Carmen kam ihr wieder entgegen. Sie wirkte ausgemergelter, müder, der Strohhut verdeckte die kahlen Stellen auf ihrem Kopf. Aber ein nicht zu entmutigendes, starkes Lächeln zierte ihr Gesicht. Und nun sollte es wieder beginnen. Jamie fing wieder zu weinen an.

"Weißt du, was ich am meisten an dir bewundere?", fragte Jason unverwandt. Vor Tränen zitternd schüttelte sie den Kopf.

"Dein riesiges Mitgefühl, das ist deine größte Stärke.". Dafür erntete er ein müdes Lächeln. So wie sie gerade in seinem Arm lag, verheult, schwach, zittrig, hatte er sie noch nie so anziehend gefunden. Er küsste sie. Jamie drückte ihn sanft weg, ihre Gedanken waren bei Carmen. Trotzdem öffnete er ihren Gürtel. "Lass mich dich ablenken.", grinste er und fuhr fort. Jamie ließ es einfach zu. Vielleicht würde es sie ja ablenken. Vielleicht wäre Carmen kurz aus ihren Gedanken verbannt. Und vielleicht- wer weiß, würde sie wieder gesund werden.


2014

Ben und Jamie gingen zum Imbiss an der Ecke, welcher der Running Gag in Heavensrain war. Ein englische Imbiss, geleitet von Mr. Singh, ein Inder, der einen Turban trug, der größer war, als sein Kopf. Aber die Somasas in dem Laden waren köstlich. Mr. Singh nickte den beiden zu und Jamie orderte einen Kaffee und vorausschauend in Wasser, welches sie Ben ins Gesicht kippen könnte, falls seine Erklärung nicht wenigstens so gut war, dass sie zu Tränen gerührt sein würde.

"Na wie geht's?", fragte er locker und in sich fühlte Jamie den Drang, gleich jetzt Reißaus zu nehmen.

"Smalltalk, ernsthaft Ben?", sie neigte auffordernd den Kopf und ihre Finger schlossen sich fest um das Wasserglas.

Als würde er sich ergeben, hob er beschwichtigend die Hände: "Okay, okay!", schüchtern sah er auf den hellgemaserten Tisch, "ich bin darin ohnehin ziemlich schlecht.". Er zögerte.

'Auch das noch!', dachte Jamie und verdrehte die Auge. In dem Moment sah Ben hoch und registrierte, dass er bei ihr mit der Unsicherheit keinen Deut Mitleid erregte. Als hätte er verstanden, nickte er, vertrauensheischend lehnte er sich vor und mit fester Stimme fragte er:

"Marley weiß Bescheid, nicht wahr?".

"Jipp.", zischte Jamie zwischen den Zähnen hervor. Was wollte er bloß? Hatte er nicht genug angerichtet? Obgleich Jamie die Treue verspürte, ihn hassen zu müssen, überwog die Neugier. Und ihm das Wasser ins Gesicht schleudern konnte sie auch später.

"Okay Ben, komm zum Punkt, ich hab nicht ewig Zeit.", ihre Stimme vibrierte mit einem subtil wütendem Unterton, den selbst Mr. Singh hinter dem Tresen wahrnehmen konnte, seine buschigen, ehemals schwarzen Augenbrauen fuhren alarmiert in die Höhe.

"Hat sie dir erzählt, wie sie es herausgefunden hatte?", erkundigte er sich ruhig. Verblüfft gab Jamie zu: "Sie hat es mir nie erzählt."
Als würde er die Geheimnisse der Welt pachten, schloss er die Augen und fuhr sich durch seine rabenschwarzen Haare. Erneut fühlte sie sämtliche Wut in sich aufkochen, das Bedürfnis, ihm diese hochmütige Allwissenheit aus dem Gesicht zu ohrfeigen. Vor sich sah sie den roten Abdruck ihrer Hand auf seiner Wange brennen. Das hat sonst auch Zeit, sagte sie sich vor und biss sich in die Innenseite ihrer Wange.

"Sie war bei mir, kurz nach der Arbeit, als ich mich fertig gemacht habe, um mit ihr auszugehen. Ihre Idee: Short-Film-Night.", er öffnete seine Augen wieder. "Naja, und da hat sie in meinem Bücherregal ein Bild gesehen, von mir mit ihr zusammen.", beschämt sah er auf die Tischdecke.

"Ich hab mich rausgeredet. Habe ihr aufgetischt, dass Grace und ich längst getrennt wären. Dass ich das Bild nur behalten habe, weil es eine Erinnerung wär an eine wirklich schöne Zeit. Und...", er seufzte und schlug sich selbst gegen die Stirn. "Sie hat es geglaubt.", ungläubig trat ein Ausdruck von Missbilligung auf sein Gesicht.

"Marley hat ein so gutes Herz. Sie ist reizend, hinreißend und einfach...", kam er ins Schwärmen und Jamie schwante, dass Marley bei einer solchen Beschreibung übel werden würde vor triefender Pärchenhaftigkeit.

"Ich weiß.", stellte sie scharfzüngig fest. "Und weiter?"
"Der Anrufbeantworter.", Ben lachte sich aus. "Ich hab nicht drüber nachgedacht. Ich hab ihn einfach nur angemacht und Marley konnte sie hören. Grace wollte mir nur sagen, dass sie sich freute, mich zu sehen. Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht.", sein Gesicht sah hingegen keineswegs reuezerfressen aus.

"Ich hätte dieses blöde Lämpchen einfach ignorieren sollen. Hätte ich es einfach nicht gedrückt... Wir wären zur Filmnacht gegangen und wären noch..."

"Wärt noch was?!", nun platzte Jamie endgültig er Kragen. "Wärt noch zusammen unter dem Umstand, dass du mit Marley deine Freundin betrügst?", blaffte sie ihn an. Nun wurde sie auch lauter und fühlte regelrecht an ihrer Schläfe die Vene pochen. Die Anspannung war zu groß und sie sprang auf und sammelte ihre Sachen zusammen und wollte ihn sitzen lassen.

"Herr Gott, das ist es, was dich bewegt? Dass du diesen verdammten Anrufbeantworter betätigt hast? Du...", sie musterte ihn von oben bis unten und merkte, dass ihr Worte fehlten, um auch nur annähernd zu beschreiben, was sie in ihm sah. Stattdessen verzog sich ihr Mund vor Ekel.

"Bye, Ben.", betont freundlich stemmte sie sich vom Tisch ab und merkte, wie die Wasseroberfläche im Glas verführerisch zitterte. Nein, sie würde das Gesicht wahren. Ben hielt sie am Handgelenk fest. "Nein, das bereue ich nicht. Ich bereue es keineswegs, dass sie die Wahrheit erfahren hat. Aber dass sie es auf diese Weise erfahren musste.", er suchte den direkten Blickkontakt, wollte an ihr Mitgefühl appellieren, Jamie konnte jedoch nicht anders, als seine Hand zu sehen, die ihr Handgelenk umschloss. Ben verstand diesen Wink durchaus.

"Dir steht es frei zu gehen, aber Jamie?", er löste seine Hand behutsam,

"Ich wollte längst mit Grace Schluss machen. ich wollte es nur persönlich tun. Deshalb habe ich es Marley nicht erzählt, weil es für mich längst vorbei war."

Das ging ihr nur schwer durch den Kopf. "Es war aber nicht vorbei.". Jamie stand noch immer vor dem Tisch, im Begriff aufzubrechen. Nun fing sie auch noch an, wütend auf sich selbst zu werden. Weshalb konnte sie ihn nicht einfach stehen lassen? "Weshalb erzählst du mir das?"

"Weil...weil...", überlegte er, "Weil du meine letzte Chance bist. Du bist ihre Freundin und sie vertraut dir."

"Das werde ich aber sicherlich nicht auf's Spiel setzen.", sie löste sich von ihm und ging.

"Hast du dich bisher nie in einem Menschen getäuscht, Jamie? Hast du noch nie eine zweite Chance gegeben oder gebraucht?", rief er ihr verzweifelt hinterher.

Im Türrahmen drehte sie sich um und sah Ben im Neonlicht sitzen. Ein kurzer Blick, den er offensichtlich richtig auffasste. Ja, beides hatte sie in Anspruch genommen. Aber sie war nicht diejenige, die es entscheiden würde.
12.5.17 14:54
 
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