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Was ist ein Vorsatz?

Die Ausstellung selbst war wunderschön. Gerührt und demütig stand Jamie vor jedem einzelnen Gemälde. Marley erklärte ihr, was welches Bild genau zu bedeuten hatte. So erhielt Jamie das Knowhow darüber, wie geschickt in dem einen Bild der Kontrast gesetzt wurde, weshalb das eine Bild so plastisch wirkte, das andere so unwahrscheinlich warm und liebevoll.
In wenigen Stunden würde Jamie ohnehin diese Ausführungen vergessen haben, doch aus jedem einzelnen Bild strömte ihr das Gefühl des Malers entgegen und daran würde sie sich erinnern. Gerade, als die beiden vor dem Spaziergang standen und Marley Jamies staunendes Schweigen teilte, kam ihre Mutter eingehakt mit einem jungen Mann zu den beiden.

Ausgelassen gackerte sie wie ein Teenager und innig wünschte Jamie sich ihren Vater herbei, in dessen Gegenwart sie wenigstens nur ihn derart ansah. Vor dem Spaziergang, den Chagall 1917 gemalt hatte, schenkte Henry unter den Augen von Marc und Bella den Bildern keinen Funken Aufmerksamkeit. Er war nur drauf und dran, bei seine potentiellen Schwiegermutter ein gutes Stein im Brett zu haben.

Das Gespräch über die fabelhaften Ausstellungen in diesem Gebäude und dem delikaten Essen im sich anschließenden Salon schwappten laut zu den anderen Gästen über. Marley brauchte sich also nicht umzudrehen und Jamie sah, wie sie ihre Lippen aufeinander drückte, um nicht lauthals in Gelächter auszubrechen.

In gespieltem Erstaunen drehte ihre Mutter sich um und winkte Cheryl zu, die sicherlich erfreut wie gleichermaßen überrascht zurückwinkte. Als gewisse Fußnote sei hier zu erwähnen, dass Cheryl passend zu ihrem schwarzweißen Twinset eine große Handtasche trug, aus der ein verwirrter Hundekopf, bei genauerem Hinsehen ein Lhasa Apso in die Kunstszene schaute.

"Guten Tag.", Henry wirkte durchaus kultiviert, nur Jamie konnte nichts anderes, als denken : 'Oh lieber Himmel, er hat WIRKLICH einen Knicks angedeutet.'.

Mit ihrem Ellenbogen stieß sie Marley an, die sich dankenswerter Weise umdrehte und ihr schönstes Assassment-Center-Lächeln aufsetzte. Mit einem kühlen Blick begutachtete sie den Kandidaten. In Kürze tauschten die beiden einen Blick, der etwa aussagte: "Willst du ihn auflaufen lassen, oder soll ich?"

Jamie streckte die Hand ganz leicht vor, als würde sie Marley den Vortritt lassen, welche sich wiederum räusperte und sich auf ihre Strategie vorbereitete. "Also Henry...ähmm...?", abwartend bleckte sie sich die Lippen.

"Miller, Henry Miller.", verkündete er stolz im Glauben darüber, dass es ein Muss war, seinen Namen zu kennen.

"Ah, und was führt dich hier her?", fragte Marley gespielt neugierig.

"Oh, meine Eltern lieben die Kunstszene, die MILLERS.", der Spross zog den Namen so sehr in die Länge, dass das gewöhnliche Gegenüber vermutlich sichtlich imponiert drein blickte. Marley hingegen warf einen bornierten Blick auf ihre Armbanduhr und entgegnete nur ein "Ach?", die gesellschaftliche Konvention missachtend, sich wenigstens nach den Millers zu erkundigen. Glücklicher- oder dünkelhafterweise machte Henry diesen Faux-pas wett und fügte ungefragt an: "Naja, ihr habt sicherlich vom Miller-Imperium gehört. Wir sind..", begann er, aber Marley unterbrach ihn: "Und wie gefallen dir die Gemälde dieser Kunstepoche?"

Henry fuhr sich offenbar überfordert durch sein strohblondes Haar, das- davon war Jamie überzeugt- von einem überteuerten Friseur gestutzt und im Ansatz nachgefärbt wurde.

"Ich ähmm...mag die...", er betrachtete das Bild hinter ihnen. Die Leichtigkeit, die Verliebtheit des Malers in seine Frau, in die Welt, in die Farben, nichts davon kam bei ihm an. Seine Augen stielten förmlich aus seinem Kopf heraus, damit er irgendeinen Aspekt im Bild finden könnte, welcher ihm Anhalt für einen kultiviert klingenden Kommentar zu geben vermochte.

"Farben. Ich mag die Farben!", dies war offensichtlich misslungen.

Als würde sie ihn ermuntern weiterzureden, nickte Marley ihm zu und hob die Hand in die Luft, als würde sie nach etwas greifen: "JA! Sie sind so ... plastisch, nicht wahr?". Selbst für Jamie, die keine Ahnung von Kunst hatte, war klar, dass sich Henry um Kopf und Kragen redete. Es wäre ja auch durchaus nicht schlimm gewesen, wenn Henry so wie sie auch in der Kunstszene bisher keinen Fuß gefasst hätte, aber Jamie zumindest stand dazu.
Und sie hätte auch niemals versucht, sich einen anderen Eindruck zu verleihen. Hätte Marley sie gefragt, wüsste Jamie lediglich zu sagen:

"Irgendwas am Bild berührt mich zutiefst.", ohne dabei von Komposition und goldenem Schnitt zu schwadronieren. Dann wäre sie immer noch angepasst, hätte sich selbst aber nicht verraten. Sie stieß Marley sachte mit dem Ellenbogen an. Der arme Henry merkte nicht, dass er sich gerade blamierte, sie sollten zurückfahren. Obgleich es wirklich, wirklich witzig war.


2006

Die Bar, die "B.U", war von innen ein quietschbunt zusammengewürfeltes Allerlei. Hätte sie nicht schon von außen als Schwulenbar geworben, von innen war es spätestens zu erkennen. Auf den Tischchen beziehungsweise auf den weißen Spitzendecken standen Blumenarrangement, welche wiederum mit pinken Kunstplüschfedern versehen waren. Sam, Jays Kumpel, kam hinter den beiden herein noch immer unschlüssig darüber, ob er das tun sollte. Sam war nun im Begriff sich zu outen.

Für Jamie stellte es kein wirkliches Problem dar, aber mit dem Outing verband Sammy eben etliche Sorgen und Ängste angefangen von 'Wie wird meine Umwelt reagieren?' bis hin zum markerschütternden 'Was sagt meine Familie dazu?'.
Die "B.U." war der erste Schritt dahin, das Antasten. Und ohne es mit Jason vorab zu besprechen, hatte Jamie über dessen Kopf hinweg Sam einfach angeboten, ihn zu begleiten. Und nun saßen sie zu dritt an einem dieser Tischchen und sahen sich staunend um. Neben ihnen saß nur ein schwules Pärchen, ansonsten war die Bar bisher ganz leer. Während Jamie sich in die Karte vertiefte und Jason sich tiefer in die Bank setzte und den Blicken des Barmanns auswich, sah Sam sich staunend um. Die Bar war ein mit silberglitzernder Folie beklebter Tresen, auf dem sich bunte Windlichter tummelten und daneben große Gläser standen mit Strohhalmen, Früchten, die für die Cocktails vorausschauend bereits geschnitten waren und den Schirmchen, die Jamie als Kind vergöttert hatte.

Der Barmann selbst war ein älteres Kaliber. Er trug ein Hawaiihemd, auf welchem der Name 'Brian' in roten Lettern gestickt war. Seine grauen Haare waren hinten zu einem Zopf zusammengebunden und bei genauerem Hinsehen erkannte Jamie, dass Brian viele Ohrlöcher in seinem rechten Ohr gestochen hatte, er trug aber keine Ohrringe. Brian wirkte mit dem Hawaiihemd wie ein Pauschaltourist, der auch längere Zeit auf Hawaii verbracht hatte, seine Haut hatte einen angenehmen Bronzeton.
Um seine großen blauen Augen legten sich angenehme Krähenfüße und immer wenn er in Sams und Jays Richtung blickte, machte Jamie Lachfalten aus, die sich in sein Gesicht gegraben hatten. Nach einigen Minuten schlenderte er zu ihnen mit einem Schreibblock in der Hand.

"Habt ihr schon gewählt?", fragte Brian fröhlich und an seiner linken Hand erkannte Jamie einen goldenen Ehering.

"Ähmm...jaa...ähmm...", stammelte Jason. "Ein Appletini."

Brians Augenbraue fuhr nach oben. "Den haben wir nicht auf der Karte, aber ich kann mich daran versuchen.", in elegantem Bogen fuhr seine Hand auf dem Schreibblock. Sam bestellte sich ein Bier und Jamie orderte einen Martini.

Nachdem Brian gegangen war, stierte Sam Jason an: "Ein Appletini, ernsthaft Mann?"

Wenig schuldbewusst gestand er ein: "Na, ich will mich hier eben anpassen."

Empört wollte Sam etwas entgegnen, als Brian mit dem Martini und dem Bier zu den dreien kam und Jason vertröstete: "Da musst du dich noch ein wenig gedulden, ich brauche noch ein wenig."

Neidisch blickte Jason auf den Martini seiner Freundin, an dem Jamie schadenfroh nippte. "Oh Schatz, noch ein wenig Geduld.", kicherte Jamie und legte ihm eine Hand auf den Oberschenkel. Mit weit aufgerissenen Augen schob er sie weg. "Nicht hier!", zischte er ihr zu.

"Ähm, bitte was?", Jamie hätte fast ihren Martini verschüttet.
"Na, nicht hier, die merken es doch!", mit einem Kopfnicken wies er auf das Pärchen neben ihnen.

Kopfschüttelnd wandte nun Sam ein: "Okay, es ist echt rührend, dass du dich anpassen willst. Aber zum einen, wir haben nichts gegen Heteros! Zum anderen, Alter, selbst wenn du versuchst dich anzupassen, niemand wird dich jemals für schwul halten, Jason!"

"Njaaa....trotzdem.", sagte er firm.

"Wow!", wunderte Sam sich laut und Jason stimmte ein: "Ganz genau!"

"Ähm, nein, nicht du!", er drehte sich zu Jamie um und konspirativ beugte er sich vor: "Und mit dem schläfst du?"

Ihr rechter Mundwinkel fuhr nach oben und sie zuckte mit den Achseln:
"Ja, ich versteh es auch nicht, aber ja."

Jason schürte warnend die Augen: "Nicht hier!"

Etwa anderthalb Monate danach war Jamie bei Jason erstmals zuhause über Weihnachten. Es war das erste Mal, dass Jamie ihren Quasischwiegereltern gegenübertrat. Vielmehr, es waren ihre ersten Quasischwiegereltern. Nach allem, was sie mit Jason erlebt hatte, rechnete Jamie mit etwas konservativem. Insgeheim glaubte sie, ihr würde ein Gästezimmer bereit gemacht werden. Die Fahrt dahin dauerte drei elendig lange Stunden. Zu Beginn sah Jamie dem Treffen freudig entgegen, aber je mehr Meilen sie hinter sich brachten oder je näher sie seiner Heimat kamen, umso höher schlug ihr Herz.

Jamie war vergleichsweise offen erzogen worden, würde man sie annehmen? Die würde ja nicht nur einige Stunden dort verbringen, sondern einige Tage. Kalter Angstschweiß rann an ihren Händen herunter und vor Anspannung krallte sie ihre Hände in ihren Oberschenkeln fest. Als sie über die kiesige Einfahrt fuhren, war es bereits stockdunkel. Jasons Eltern hatten sich bereits auf die Lauer gelegt, auf das Geräusch des Autos wartend. Nun öffnete sich die riesige Tür und es erschienen ein Paar im älteren Alter und deren jüngerer Sohn. Jason stellte den Motor aus und auffordernd stellte er fest: "Wir sind da."

"Mhm...", sie nickte nun zittrig. Beim Öffnen der Tür fühlte sie die Blicke der Treesomes auf sich. Jason öffnete den Kofferraum und ohne zu zögern kam Mr. Treesome, um sich eine der Taschen zu schnappen. Jamie streckte gleich die Hand vor. "Hallo, ich bin Jamie."
Grinsend warf er sich die Tasche über die Schulter und erwiderte: "Dacht ich mir. Ich bin Bob."

Dann ging sie auf Mrs. Treesome und Jasons kleinen Bruder zu. "Hallo Mrs. Treesome, ich bin Jamie.", auch hier streckte sie ihre Hand vor. Mrs. Treesome beäugte fast vorwurfsvoll die Hand, schlug sie aber gleich weg und umarmte Jamie herzlich: "Ich bin Eleonore."

Die Taschen waren mit Davids Hilfe, der kleine Teenagerbruder, schnell verstaut. Die fünf saßen am reich gedeckten Esstisch- von Scones über Kuchen und Keksen war alles vertreten und Eleonore goss Jamie immer wieder reichlich Tee nach. Die Zeit verging wie im Fluge. Demonstrativ streckte Jason sich schließlich und das reichte Eleonore als Wink.

"Ja, Kinder, es ist reichlich spät." David, der gegenüber Jamie saß, grinste vielsagend. "Ich mache Jamie dann mal das Gästebett fertig."

Jamie faltete die Hände im Schoß und nickte, bis Eleonore losprustete: "Gästebett!" sie klatschte in die Hände. "Schätzchen entschuldige, das ist eben mein Humor. "

Sich vom Tisch abstützend sagte sie noch an Jason gewandt: "Ihr schlaft natürlich in einem Bett, Kinder ich kann mir vorstellen, dass es euch auch nicht zu eng ist.", und zwinkerte Jamie dabei zu.

"Mom!", wies Jason sie peinlich berührt zurecht.

"Ähm...danke Mrs. Trees...", Jasons Mutter funkelte sie an, "Ich meine Eleonore. Ich kann mir das Bettzeug aber auch beziehen, machen sie sich keine Umstände."

"Ach was!", strahlend sah sie von Jason zu Jamie und wieder zurück.

Unter dem Tisch nahm Jason ihre Hand und drückte sie ein wenig. Er hatte Jamie schon zuvor gewarnt, dass seine Mutter recht überfürsorglich sein würde. Als er sie wieder losließ, legte Jamie ihre Hand liebevoll auf seinen Oberschenkel. Eine Weile ließ er es zu, unter dem Blick seines Vaters bugsierte er die Hand aber wieder zurück auf ihre Seite. Ein Déjà-vu bahnte sich an, in dem Moment, da sie sein fast unmerkliches, aber doch vorhandenes und recht gebieterisches Kopfnicken wahrnahm.

Als sie später nebeneinander in der frisch duftenden Bettwäsche lagen, stützte er sich auf seinen Arm und spielte mit einer ihrer Locken.

"Jamie?"

"Hmh?", durch ihre Wimpern hindurch bemerkte sie immerhin noch den nachdenklichen Ausdruck in seinem Gesicht.

"Wenn wir mit meinen Eltern und meinem Bruder am Tisch sitzen, würdest du mich bitte nicht so anfassen?", vergewisserte er sich nervös.

Sie blinzelte irritiert: "Ähmmm?"

"Naja, deine Hand auf meinem Oberschenkel.", erklärte er weiter. "Ich will nicht, dass meine Eltern sehen, wie du mich so befummelst."

Jamie setzte sich halb auf die Decke auf ihren nackten Oberkörper gedrückt. "Deine Eltern haben uns quasi gesagt, wir sollen miteinander schlafen und du willst nicht, dass sie sehen, dass ich hin und wieder verrückte, verliebte Sachen tue?"

"Njaa, es ist mir eben unangenehm.", druckste er weiter herum. Jamie drehte sich von ihm weg. "Okay, wie du willst.", brummte sie.

"Bist du jetzt böse?", fragte er und seine Hand fuhr über seinen Arm.
"Nein, wie kommst du nur darauf?!",spottete Jamie.

"Dann ist gut.", erwiderte er froh und machte das Licht aus. Eine halbe Ewigkeit lieferte sich Jamie ein Blickduell mit dem roten Standby-Licht des Fernsehers. Sie waren kaum 4 Monate zusammen und sie stieß schon jetzt an einen Rand, von dem sie wusste, dass es ihr nicht ausreichte.

Aber es war Weihnachten, sie war im Haus der Eltern ihres Freundes, der selig und sextrunken hinter ihr lag. In der Dunkelheit machte sie die Roboter und Brettspiele seiner Kindheit aus. Müde ließ sie ihre Lider zufallen. Nein, das war bloß ein dummer, vorlauter Gedanke. Nicht mehr als das.

Nichtsdestotrotz war Jamie schmerzlich klar geworden: Es waren nicht seine Eltern, er allein war konservativ.


2014

Zufällig kam nun Jamies Mutter wieder. Cheryl stand mit einer Freundin der beiden noch am Buffet und unterhielt sich angeregt über die Dinnerparty, welche Jamies Eltern in Kürze ausrichten würden. Das nächste große gesellschaftliche Zusammenkommen. In ihrer Hand trug sie einen Teller voll von appetitlich zubereiteten Horsd'oeuvre-kunstwerken.

"Jamie, Darling, dein Vater wollte dich ohnehin fragen, ob du vielleicht bei den Vorbereitungen helfen könntest. Du weißt ja, Daddy ist dabei doch recht motivationslos ohne seine kleine Tochter.", dabei schob sie sich ein mit Karamellkorb versehenes Stück Walnussbrot in den Mund. Den Teller bot Jasmine genüsslich kauend Henry an.

"Dass Ihr Mann Ihnen ungern zur Hand geht, ist auch wirklich ZU schade.", Henry winkte dankbar ab.

"Oh, Darling.", glucksend tätschelte Jasmine seinen Unterarm.

"Aber Mrs. Aberdeen, wobei denn helfen?", erkundigte er sich. Nicht, dass er es bei Cheryls lautstarken Ausführungen über die Sommerblumendekoration der Aberdeens zu überhören war. Henry wusste sehr genau, um welche Organisation es sich handeln würde.

Dabei war Jamie sich aber nicht ganz sicher, ob es sie mehr ärgern würde, wenn er es wusste und sich hiermit eine Einladung erschlich, oder wenn er unwissentlich fragte und zu naiv war, bei den überschwänglichen Kommentaren von rechts die richtigen Schlüsse zu ziehen.

"Oh, mein Mann und ich veranstalten jeden Sommer eine kleine Feier für unsere Freunde.", es war eigentlich nicht mit anzusehen. Jasmine fixierte ihre Tochter mit großen Augen, wartete ungeduldig, dass Jamie die Worte sprach, die sie an ihrer Stelle sonst sprechen würde. Trotzig verschränkte Jamie die Arme vor ihrer Brust. Sie weigerte sich, einer so stumpfen Selbsteinladung nachzugeben.

"Wollen Sie sonst nicht auch kommen? Am Samstag in zwei Wochen?" , bot Jasmine an. Was Jamie eine Gänsehaut bereitete war, dass Henry Jamie von oben bis unten musterte, bis er zusagte. Mit einem Mal verspürte sie den Drang, ihren Köper vor seinem abschätzenden Blick zu verbergen.

Jasmine gab ihm noch ihre Karte und führte ein Gespräch über den köstlichen Krabben-ChicoréeSalat, welchen sie traditionell zubereitete und auf den Henry sich für Jamies Geschmack zu aufrichtig freute. Da ihre Anwesenheit offenbar nicht mehr vonnöten war, schlich sie sich mit Marley weg. Erst außer Hörweite entfuhr Marley endlich ein "Man, was für ein Snob!".
Am Eingang kaufte sie einen Bildband mit dem Titel "Wie schön ist Liebe.", der auf Travis Gabentisch in einer Woche kommen würde. So wie in der letzten Zeit des Öfteren, hatte sie beim Hinausgehen das Gefühl, dass in der Menge der Ausstellungsgäste jemand war, den sie mit irgendetwas verband. Es ärgerte sie, dieses Gefühl nicht spezifizieren zu können, geschweige denn es überhaupt auf eine Person begrenzen zu können. Ihr war nur so, als stünde irgendwo eine Person in der Menge mit seltsam vertrauten braunen Augen.

Obgleich Henry es nahezu geschafft hätte, den beiden die Aufmerksamkeit von der Ausstellung zu rauben, so wollte sie sich die Stimmung nicht verderben lassen. Marley und sie stiegen in einen Bus und fuhren zum Brunnen in der Altstadt. Im Bus entledigte Jamie sich endlich ihrer Schuhe und Marley öffnete ihre Handtasche für sie. Zwei Bierdosen, die im Verlauf des Tages nun wahrscheinlich recht warm geworden waren. Marley sah gedankenverloren aus dem Busfenster und Jamie legte ihr ihren Kopf auf die Schulter. Der Wind knallte ihnen dabei erfrischend entgegen.
31.5.17 20:48
 
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