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Fortsetzung: Was ist ein Vorsatz?

2007


Da war stets diese Angst, die Jason überall hin begleitete. Diese unbenennbare und auch von Jamie nicht zu beschwichtigende Angst, sich in der Öffentlichkeit zu demütigen oder sich einen Schnitzer zu leisten. Zwar hatte jeder ein wenig Angst davor, von seinem Umfeld fehlerhaft eingeschätzt oder bewertet zu werden. Nur Jason war dabei etwas achtsamer als andere.

Das könnte an Darla liegen. Darla war seine Exfreundin. Selten sprach er über sie, alles, was Jamie über sie wusste, bestand lediglich darin, dass sie seine Ansichten nicht teilte und laut Jasons Erzählungen wohl auch etliche Sachen gemacht hatte, welchen er enttäuscht gegenüber stand. Darla und er hätten sich in den Vorlesungen wohl verliebt und in den Lerngruppen und auf den Partys angeregten Augenkontakt gehabt, bis sie endlich zusammenkamen.

Umso schmerzhafter war wohl die Trennung, denn der gemeinsame Freundeskreis hätte sich gänzlich auf ihre Seite gestellt, obwohl sie ihn doch am laufenden Band enttäuscht hätte. Klar glaubte Jamie ihm damals, im Nachhinein würde ihr klar werden, dass sie seine Ausführungen auch in Frage stellen würde. In den Momenten im Jahr 2007 tröstete Jamie ihn hingegen, führte ihm andauernd vor Augen, dass es sich nicht um Freunde handeln konnte, die ihn einfach so fallen ließen. Umso unverständlicher war ihr die Situation mit der Einweihungsfeier.

Es war Jahrmarkt in Heavensrain, als Jason sie seinen sogenannten Freunden vorstellte. Studienkollegen, die mit ihm etwas unternahmen, wenn die geheimnisumwitterte Darla keine Zeit hatte. Mira und Frank waren nun zusammengezogen in eine WG mit Darla. Frank war Jasons erklärter Todfeind- weil er ach so gut aussah, was Jamie ihm glaubhaft als Finte erklärte, obgleich sie es für unheimlich kindisch empfand, das wiederum behielt sie aber umsichtig für sich. Sam fragte die beiden in Jasons Anwesenheit darüber aus, ob er nicht etwas mitbringen könnte.

Er würde es auch mit Jason vorbereiten können. Eingeschnappt sah Jason zu Boden und spielte mit einem Kieselstein zu seinen Füßen: "Ich bin...nicht eingeladen.", murmelte er enttäuscht.

Deutlich konnte Jamie auch erkennen, wie Mira sich auf die Unterlippe biss und um Erlaubnis fragend sich mit Frank abstimmte, ehe sie gedehnt log: "Oh, haben wir dich vergessen, natürlich bist du auch eingeladen."

Jason blickte noch etwas kindlich drein, als würde der Weihnachtsmann höchstpersönlich ihm ein Präsent überreichen: "Ehrlich?" In Gedanken fügte Jamie hinzu: 'Ist das für mich?'

Was hätte Mira anderes sagen können als: "Aber klar."
Und so stand Jamie am Samstagabend nervös vor dem Spiegel und machte sich fertig. "Beeil dich, Jamie. Ich will pünktlich da sein.", bellte er vom Wohnzimmer aus mit dem Blick auf die Uhr gerichtet.

Mit dem Kamm in der Hand trödelte Jamie ins Wohnzimmer: "Schatz, zu Partys kommt man doch immer etwas später." Insbesondere zu denen, zu welchen man sich selbst einlädt.

"Ich will aber pünktlich kommen.", angespannt trommelte er auf den Tisch. Während sie ihre Haare nun noch kämmte, setzte sie sich neben ihn: "Weshalb ist es dir so wichtig, ich verstehe es nicht."

"Sie haben mich eingeladen!", sagte er stolz.

"Liebling, du hast dich selbst eigeladen.", erwiderte Jamie gereizt.

"Aber sie erwarten uns!", nun hibbelte er auch noch auf dem Tisch.

"Und weshalb muss ich mitkommen?", fragte Jamie seufzend.

"Weil du meine Freundin bist?", für Jason musste das eine logische Antwort darstellen, Jamie ließ es lediglich nur noch mehr hinterfragen. Wenn sie nicht eingeladen war, dann lud sie sich bestimmt nirgends selbst ein. Und wenn dann noch eine Last-Minute-Einladung ankam, dann lehnte sie eher ab, als zuzusagen und ihren Freund mitzuschleppen. "Okay.", resignierend erhob sie sich. Ihm war es wichtig, also machte sie es eben mit. Ob sie an seiner Stelle hingegangen wäre oder nicht, sollte nun nebensächlich bleiben.

Sie klingelten an dem Namensschild, auf welchem drei Namen in kleinsten Buchstaben aufgedruckt waren. An der Tür stand eine große, blonde, hinreißende Frau. "Hey.", ihr Lächeln vereiste, als sie Jason hinter Jamie sah und ihr klar wurde: "Du musst Jamie sein."

"Ja, hey, Darla?", Jamie streckte ihre Hand vor und Darla schüttelte sie höflich. Jason zog sie beiseite, als sie drin waren: "Was sollte denn das?", feixte ersie an. "Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung.", versicherte sie ihm. Zugegeben hatte Darla oberflächlich großen Eindruck bei Jamie geschindet und Jamie war eventuell auch leicht überfordert, ihr begegnet zu sein, auf einer Feier, auf der schon ihr Freund eigentlich unerwünscht war, von ihr mal ganz zu schweigen.

Aber nun- sein Abend! Sie riss sich zusammen.  

Frank begrüßte sie. "Hey Jamie, willst du eine Führung?"

"Klar doch!", erleichtert löste sie sich von Jason und ging staunend von einem Raum in den nächsten. Im Wohnzimmer quasselte Sam mit Mira und Loungemusik lief. Jamie dankte Frank und setzte sich neben den Platz, den Jason ihr freigehalten hatte. "Was hat er dir gezeigt?", flüsterte er argwöhnisch zu. "Die Wohnung?", flüsterte Jamie trotzig zurück.  

"Sonst nichts?", mit großen Augen prüfte er sie. Jamie schüttelte den Kopf.

"Was habt ihr denn solange geredet?" Kalter Zorn kochte in ihr hoch. Sein Abend, sein Abend! "Über die Wohnung eben."

"Och seht mal, wie verknallt die beiden sind!", schrie Sam laut mit einen Finger auf die beiden die von außen offenbar sehr eng und vertraut gewirkt haben müssen. Von seinen eifersüchtigen Gedanken abgelenkt legte Jason nun den Arm um Jamie und zog sie an sich und küsste sie demonstrativ vor den anderen. Ja, sie kannte ihn auch leidenschaftlich, aber im Grunde war sie nicht daran gewöhnt, dass er ihre Nähe allzu lange ertrug. Zum anderen war es ihr auch einfach peinlich, dass er sich und auch sie so vor den anderen produzierte. Und zärtlich drückte sie ihn von sich weg. "Was denn, willst du mich nicht küssen?", flüsterte er, als er von ihr abließ und seine Lippen wenige
Zentimeter von ihren entfernt waren. Sein Blick wanderte aber prüfend auf Sam, Mira und alle anderen Augen, die auf sie gerichtet waren. Jamie hasste es. Nicht das Küssen, das konnte er auch ohne Frage gut. Es war ihr auch egal, wie die anderen sie in jenem Moment bewerteten, oder Jason. Nur für sich konnte sie klar sagen, dass sie ihre Beziehung nicht derart zur Schau tragen wollte, erst recht nicht dann, wenn die Beziehung gänzlich anders aussah, wenn die beiden für sich alleine waren. Nein, sie hätte nicht mitkommen dürfen.  

 

2014

Das Bier zischte, als sie die Dosen öffneten, es schmeckte scheußlich, erfüllte aber seinen Zweck. Vom Brunnenrand aus hatten sie den besten Blick auf den Platz und die vorbeiziehenden Menschen. Sie entledigte sich der unbequemen Sandalen und mit schier unvorstellbarer Erleichterung tauchte sie ihre Füße in das kalte Brunnenwasser.

"Jamie?", Marleys Stimme hatte mit einem Mal etwas Schneidendes. Jamie sah den ernsten Ausdruck auf ihrem Gesicht und setzte sich undamenhaft quer auf den Brunnenrand.

"Ich weiß es.", in ihren Mundwinkeln deutete sich ein trauriger Ausdruck an.
Allerdings war das zu unspezifisch, um in Jamie eine Glocke zum Klingen zu bringen. "Ähmm, du weißt was?"

Marley nahm noch einen Schluck widerlich warmen Bieres und ergänzte: "Ben."

"Ohh.", wenn sie ehrlich sein sollte, wusste Jamie nicht, ob sie schuldbewusst war, dass Marley es nicht von ihr erfahren hatte, oder erleichtert sein sollte, es ihr nicht erzählen zu müssen. Bis ihr aber einfiel, dass es ja nicht sie war, die es Marley erzählt hatte, was eine Frage aufwarf: "Lee, woher weißt du das? Hat er sich bei dir gemeldet?"

Marley schüttelte den Kopf, dabei lösten sich einige ihrer kupferroten Locken aus dem großen Zopf. "Das ist doch unerheblich, wer es mir erzählt hatte. Aber nein, Ben hat sich nicht bei mir gemeldet. Trotzdem, Jamie?", sie richteten ihre Augen auf Jamie und ein tiefes, wogendes Meer glänzte ihr entgegen. "Was hat er dir erzählt?"

Weil sie es sich aufgeschoben hatte, hatte sie auch nichts zurechtgelegt, was sie Marley erzählen würde. Es gab noch keinen Filter. "Er hat mich vor Lukes Büro abgefangen.", Jamie blinzelte kurz hoch und rekonstruierte vor ihren Augen den genauen Ablauf.

"Er bat mich um ein paar Minuten, in welchen er sich mir hätte erklären können. Wir sind also zu Mr. Singh gegangen und ich schwöre, ich hatte mir sogar ein Wasser bestellt, um es ihm ins Gesicht kippen zu können.", als Antwort gluckste Marley. "Naja, und er meinte, du wärst so hinreißend und zauberhaft gewesen, dass er ohnehin mit seiner Freundin Schluss machen wollte, es hätte für ihn keinen Unterschied gemacht.", verächtlich lachte Marley.

"Mehr war da nicht?", vergewisserte sie sich und Jamie nickte. "Weshalb hast du es mir nicht gleich erzählt?", das traf ihre Schwachstelle. Ja, wieso eigentlich nicht?

"Weißt du, zum Schluss, da bin ich aufgesprungen und wollte gehen.", diese Szene hatte Jamie in sehr klarer Erinnerung behalten. "Da fragte er mich, ob ich mich denn nie in jemandem getäuscht hätte und ob ich nie eine zweite Chance gebraucht hatte.", sie schluckte.

"Irgendwie war es mein wunder Punkt. Und ich wollte es dir erzählen, das wollte ich ehrlich, nur ich musste nachdenken.", rechtfertigte Jamie sich.

"Nachdenken worüber?", Marley legte die Dose neben sich auf den Brunnenrand und stützte nun ihre Unterarme auf ihren Oberschenkeln ab, sodass sie Jamies Gesicht näher studieren konnte.

"Das, was er mir in der Kürze der Zeit erzählt hatte, wirkte sehr selbstvorwürfig und seine Worte waren auch sehr...naja, sehr seiner Schuld bewusst, weißt du?", Jamie konzentrierte sich, Ben vor ihrem inneren Auge bei Mr. Singh zu sehen, "Aber er war so...", welches Wort würde treffen, was sie gesehen hatte?

"Er war sehr kontrolliert. Es passte nicht wirklich zusammen." Inständig hoffte sie, dass Marley verstand, welches Problem Jamie gehindert hatte, es ihr brühwarm zu erzählen.  

"Du wolltest also sicher sein.", wiederholte Marley und die Anspannung entfuhr Jamies Körper.

"Ja!", eifrig nickte sie. "Ich wollte dir keine falschen Hoffnungen machen...Und ich war auch verunsichert, weil", sie zögerte, aber Marleys ehrliche Ermunterung ließ sie weiterreden. "Ich habe dich nie gefragt, wie du davon erfahren hast.", es verschlug Jamie die Sprache. Sie wagte nicht den Gedanken auszusprechen, der nun greifbar vor ihr in der Luft hing.  

"Ich hab es dir auch nicht erzählt, weil ich es zu lächerlich fand.", schalt Marley sich aus. "Ich hab ein Foto der beiden bei ihm gesehen und er hat mir erzählt, dass es längst vorbei wäre, aber Grace eben einen großen Teil in seinem Leben ausgemacht hatte.", sie schnalzte mit der Zunge, "Ich hab ihm geglaubt. Herr Gott!", sie warf den Kopf zurück, um Jamie nicht ansehen zu müssen.

"Sie hatte angerufen, als Ben sich gerade fertig machte, und ich bin rangegangen. Ich habe mit ihr gesprochen, als sie nach ihrem Verlobten fragte und ich mir notgedrungen eine Lüge einfallen ließ. Ich war die Pizzabotin und er holte angeblich gerade seine Geldbörse.", sie kicherte ob der Absurdität der Situation, "Ich schäme mich so."

"Was ist dann passiert?", wagte Jamie sich vorsichtig vor.

"Ich hab ihm den Hörer in die Hand gedrückt. Du hättest sein Gesicht sehen sollen.", Marley ahmte es nach oder versuchte es zumindest. Ihre Augen quollen dabei fast aus den Augenhöhlen und ihr Mund verformte sich zu einem kleinen O.

"Er legte die Hand vor seinen Mund, als ob ich es nicht hören könnte. Versprach später zurückzurufen und säuselte 'Ich dich auch'.", beim letzten Teil überschlug ihre Stimme sich. "Dann legte er auf und wollte es mir erklären. Und ich wiederholte nur leise sein dämliches 'Ich dich auch' und ging. Danach hab ich ihn nicht mehr gesehen. Ich lege da keinen Wert mehr drauf.", Jamie suchte nach Anzeichen von Rachegelüsten oder Ärger, fand aber nichts davon in Marleys Erzählung. Ihre Stimme hatte die Geschichte bis auf diesen Satz, der sich eingebrannt hatte, ruhig moduliert berichtet.

Dankbar legte Jamie die Hand auf Marleys Knie: "Gut, dass du es mir erzählt hast!" Und gut, dass Jamie sie um keine zweite Chance für Ben gebeten hatte. Nicht für jemanden, der Marley auf diese Weise gedemütigt hatte.  Kein Wunder, dass er die wahre Geschichte ein wenig verändert hatte.

Dieser...dieser. "Das Angebot gilt noch, ich würde ihn für dich verprügeln, Lee!"
Marley griff zur Bierdose und prostete Jamie zu: "Nicht mehr nötig, ich bin drüber hinweg."

"Lee, da ist nichts, wofür du dich schämen musst, er ist ein Idiot!", stellte Jamie hilflos fest.

"Danke Jamie. Aber hey, ich bin drüber weg!", wiederholte sie achselzuckend.

"Und verstehe mich nicht falsch, ich schäme mich ja nicht dafür, mich für eine Lieferantin in DER Situation ausgegeben zu haben. Es ist auch nicht so, dass ich mich dafür schäme, dass ich die andere Frau war, oder dass ich ihn sicher hätte ganz leicht auch eher entlarven können. Bei dem Bild war ich eben auch sehr gutgläubig. Es ist so, dass Grace es auf die Art nun erfahren hatte, auf die sie es verdient hatte, von ihm und nicht von mir. Es ist nur so, dass ich von Anfang an eigentlich dieses Bauchgefühl hatte bei ihm." Reuevoll biss sie sich auf die Unterlippe. Jamie stupste sie an. "Komm, es wär langweilig, wenn du perfekt wärst und keine Fehler machen würdest. Mauuu?"

"Mau", bestätigte Marley.

Eine letzte Frage war noch offen: "Von wem weißt du es nun, Lee?" Jamie meinte den Anflug eines Errötens auf ihren Wangen wahrzunehmen.

"Nebensächlich.", tat Marley es ab. In dem Moment blickte sie in ein so skeptisches Gesicht, dass sie korrigierte: "Ich erzähl es dir, sobald alles geklärt ist, okay?"

"Sobald Marc mit Ben gesprochen hat, verstehe.", mit vielsagendem Blick nahm Jamie sich einen Schluck aus der Dose und mit offenem Mund starrte Marley sie ungläubig an.

"Woher weißt du... ich meine, vielleicht.", kokettierte sie und legte ihr Kinn dabei zierlich auf ihre Schulter. "Ich erzähle dir später alles. Behalt es erst mal für dich, okay?", bat sie noch und ehe Jamie darauf etwas erwidern konnte fügte sie an: "Dann erzähle ich Luke auch nichts davon, dass du deinen Vorsatz gebrochen hast."

Mist! Sie hatte Recht! Sie hatte das Erzählen vor sich hergeschoben. Oder sich zumindest dabei erwischen lassen.

"Keine Sorge.", beendete Marley fix den beginnenden Gedankenkreis, der vor ihren Augen so offenbar anfing. "Ich verstehe, weshalb du es gemacht hast.

Insofern ist es okay. Aber", mahnend hob sie ihren Zeigefinger: "Solltest du es erneut tun, dann wirst du einen der Kerle daten, den deine Mutter dir aussucht.", schmerzverzerrt zwinkerte Jamie mit den Augen.

"Nicht doch...", seufzte sie.

"Eben, bevor du diesmal" Marley setzte sich aufrecht hin und reckte ihr Kinn demonstrativ in die Höhe, "Henry Miller vom Miller-Imperium treffen musst, ", Marley schüttelte sich diese hochmütige Rolle ab, "erfährst du heute meine Barmherzigkeit."

"Danke.", sie sprang vom Brunnenrand und verbeugte sich gespielt, "Für deine Absolution. Aber mal ehrlich, danke Lee!"

Von Marc und deren Entstehungsgeschichte würde sie noch sicherlich hören.

Wenn nicht heute, nun, dann eben ein anderes Mal. Da war sie geduldig. Auf dem Weg nach Hause, als sie ihre Füße kaum fühlte, fragte sie sich, ob sie es zulassen konnte, dass ihre Verstöße so milde behandelt wurden. War ein Vorsatz denn etwas absolutes? Musste man sich unbedingt daran halten und dabei ausklammern, welche Konsequenzen es zum Teil hatte.

Wenn es also nur etwas relatives war, eine ungefähre Richtlinie, an die es sich zu halten lohnte, es aber nicht unmittelbar sanktioniert wurde, wenn man ihn nicht einhielt? Vielleicht ist es so wie die Geschichte mit der Bundeslade, das hatte sich Jamie eingeprägt. Im Religionsunterricht erzählte ihre sonst weiche, sanfte Lehrerin, Mrs. Welrom, davon, dass jemand - nach all den Jahren wusste sie eben diesen Namen nicht mehr- die heiligen Schriftrollen, oder die Bundeslade, von einer Stadt zur anderen bringen musste. Dieser jemand nahm seinen Auftrag auch sehr ernst. Allerdings gab es da dieses göttliche Gesetz, dass es nur dem Hohepriester möglich war, die Rollen anzufassen.

Auf einer hügeligen und steinigen Straße wären die Rollen fast aus dem Wagen herausgefallen und den Abhang herunter gekullert, der Kutscher griff nach den Rollen, um sie zu retten. Aber ihm war es ja nicht erlaubt sie zu berühren und so starb er. Damals war Jamie 7 und weinte jämmerlich, weil sie den Kutscher für einen Held hielt. War es hier so ähnlich? Also, sie war bestimmt kein Held wie der tapfere Kutscher, aber wenn man sich mal nicht daran hielt, dann starb man ja heutzutage wenigstens nicht daran. Somit durfte sie die Vorsätze ja als relativ ansehen, oder nicht? Sobald sie zuhause war, würde sie nach der Geschichte mit der Bundeslade unbedingt googeln müssen!  

In dem Fall war Jamie nur dankbar, nicht Henry Miller treffen zu müssen.  
Kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, nahm sie wieder den Schmerz ihrer Füße wahr. Verdammt noch mal, weshalb besaß sie eine Reihe Schuhe, die ihrer Mutter oder Adam gefielen und vielleicht nur drei Paare, weil sie sie bequem fand?

11.6.17 20:02
 
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