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   28.08.17 12:12
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Der Unsichtbare

Es gibt Dinge, die, sobald sie ausgesprochen sind, eine Gestalt annehmen. Sie sind, sobald ausgesprochen unveränderbar und sie liegen schwer in der Luft, belasten sie gerade zu und mit sich führen sie ihren treuen Gehilfen: die Stille, die den ganzen Raum in Schweigen hüllt. Ein Schweigen, so laut und grollend und schreiend, dass es düster wird und unerträglich.
Und doch sind solche Dinge so unendlich klar und fein und zerbrechlich. Sie drohen einem zu entgleiten und zu entgleisen, im selben Augenblick, in dem Gefahr besteht sie auszusprechen und im selben Augenblick, in dem sie so bedrohlich wirken.

"Ich liebe dich!", wagemutig sah sie ihm fest in die Augen.
Ihr Blick verriet die unverhohlene Neugier eines Kindes.
"Was?", es war ein heiseres Krächzen.
"Ich liebe dich!", wiederholte sie langsam und wartete geduldig darauf, wie er es aufnehmen würde.
Er starrte sie nicht an, er starrte eher durch sie hindurch auf die blütenweiße Wand hinter ihr.
Es war ausgesprochen und es schien, als würde sich eine Gestalt zwischen sie drängen. Eine recht korpulente Gestalt mit eisernem, kalten Blick, die mit einem für ihren Geschmack fürchterlich überheblichen, selbstverliebten Lächeln sich im Gefühl labte, zwei Menschen zu trennen.

Und dieser Idiot ordnete sich dieser autoritären Gestalt höflich unter und gehorchte, machte diesem Unsichtbaren Platz, setzte einen Schritt zurück, sodass der Unsichtbare frei atmen konnte.
"Jetzt sag' doch was! Irgendwas! Sie mir wenigstens in die Augen!", flehte sie innerlich. Aber er wagte nicht aufzuschauen, die Wand schien einen anziehend ruhigen Anblick zu bieten. Sie hasste dieses Schweigen, es war laut und hallte in ihren Ohren wieder. Es drängte sie zu sprechen. Sie wollte es ja, sie fühlte, wie notwendig es war, etwas zu sagen; nur ein Wort würde genügen und die Stille würde an ihnen vorüberziehen, wo auch immer Menschen sie herbeiriefen. Sie fühlte die Stille, als würden tausend Nadeln in der Luft liegen und lüstern auf eine passende Gelegenheit zum Angriff warten. Nur ein Wort, ein Wort und sie wären verschont worden. Doch es war zu spät. Die Stille, sie ist über sie gekommen.
21.11.14 09:25
 
Letzte Einträge: Auf dem falschen Weg , Fortsetzung: Auf dem falschen Weg, Zerbrechendes Wunschglas , Fortsetzung: Zerbrechendes Wunschglas , Auf dem Weg zu sich selbst , Epilog


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