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   28.08.17 12:12
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Gullivers Sohle

Schreib doch über das, was du kennst, was du weißt,
etwas, was du im Schlaf getrost nachsingen kannst.
Keinen abgehobenen, philosophischen Bla,
sondern etwas, das die gemeine Schar, wir alle
ohne weiteres verstehen können.

Etwas, das alle teilen,
vielleicht etwas leichtes,
oberflächliches und seichtes,
worüber alle lachen können.

Etwas, also, was ich kenne.
Ich, die ich zu allen gehöre.
Was kenn ich denn?
Was weiß ich schon?
Was können alle?

Ich kenne den Geruch des Regens,
der sich ausbreitet unversehens
sobald die Erde flimmernd dürstet
und der Durst die Kehle zuschnürt.

Ich weiß, was eins plus eins ist,
was die Hauptstadt von Iran ist,
ich weiß, dass ein Herd heiß ist,
und ja, ich weiß sehr gut was Angst ist!

Angst, kalt und klar
die dich kettet, die dich lähmt.
Die mich endlos stark beschämt.
Bei der es sich so anfühlt,
als wär man klein,
ein Lilliputaner vor dem Herrn
Gulliver, der einen mit seiner riesigen Sohle
der Erde überlassen kann, nur ein Stück Kohle.

Wenn ich dann lang genug,
aus Kohlenstoff bestehend,
mich bedächtig auf den Weg mache
Richtung Erdmittelpunkt.
Ich Kohle namens Nemo,
ich schwarzer Ruß,
der selbstvergessen
ins Vergessen aller driftet.

Wenn ich lang genug warte,
unter der Erdkruste und -scharte,
unter diesem müßigen Druck,
dann besteht doch die Chance
werd ich zum Diamant, zum Schmuck.
Sodass mich die feinen Damen, ja doch alle
plötzlich ihr eigen nennen wollen.
Mich den schwarzen und vergessenen Ruß.
Das vorher deren feinen, weißen Hals
ohne weiteres beschmutzt hätt.

Ja, ich weiß sehr gut, was Angst ist.
Ich weiß es und kenn es auswendig.
Ich weiß, wie lang es anhält,
dass es gemein ist.

Ich weiß, dass alle es kennen.
Weil ich doch zu allen gehöre
zwar mit Müh, doch immerhin.
Weil alle sind nur viele Ichs,
ganz einfach wir, wie du und ich.

Viele Ichs, die Regen kennen.
Die wissen, was eins und eins ergibt.
Die wissen, weinen, welch ein Segen,
wenn die Angst nachlässt,
der Druck vorbei ist und die Sicht erlaubt
auf mich, dich uns.

Vielleicht weiß ich, was Angst bedeutet,
Auch weiß ich, wie's ist zu scheitern.
Ich weiß, was frei heißt,
weil ich's nicht bin.
Weil ich ganz genau weiß,
was ich bin.

Und, auch wenn ich ein Bruchstück bin,
ein kleiner Teil nur von der Norm,
so kenn ich doch nicht alle,
bin trotzdem niemals frei von allen.

So unterm Strich weiß ich,
was Furcht ist, was Druck ist,
was Erschöpfung, Trauer, Glück ist.
Aber, nach all den Jahren,
weiß ich noch immer nicht, wer du bist!
21.11.14 09:31
 
Letzte Einträge: Auf dem falschen Weg , Fortsetzung: Auf dem falschen Weg, Zerbrechendes Wunschglas , Fortsetzung: Zerbrechendes Wunschglas , Auf dem Weg zu sich selbst , Epilog


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Julika (8.12.14 15:33)
Schöne Texte. Diesen hier fand ich besonders berührend.

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